Volksbanken vollziehen ihre Hochzeit

Lautstarke Kritik an Fusion: Bei Vertreterversammlung in Forst spielten sich turbulente Szenen ab

Forst. Die bis zum Schluss umstrittene Fusion der Volksbank Bruhrain-Kraich-Hardt mit dem Kraichgauer Pendant ist unter Dach und Fach. Mit 110 Ja-Stimmen und 17 Nein-Stimmen hat die Vertreterversammlung der Volksbank die angesagte „Verschmelzung“ mit dem größeren Volksbankpartner beschlossen. Die Volksbank Bruhrain hat ihren Sitz in Oberhausen und bringt 15 Filialen in die Partnerschaft ein. Bei der Vertreterversammlung, die als Präsenzveranstaltung über die Bühne ging, wurde noch einmal hart gekämpft.  

Vor allem Ex-Banker Wolfgang Burger und Bürgermeister Martin Büchner (freie Wähler) stemmten sich angriffslustig gegen den Zusammenschluss und teilten Spitzen an die Verantwortlichen aus. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende Burger erntete allerdings Zurufe wie „Aufhören“ und „Schluss jetzt“ während seiner Rede. Trotz vehementer Ablehnung der neuen Volksbank-Konstruktion kandidierte Ratshauschef Büchner für den neuen Aufsichtsrat und erhielt in offener Abstimmung eine so hauchdünne Mehrheit, dass mehrmals ausgezählt werden musste.  

Vorstandsvorsitzender Andreas Hoffmann und Vorstandsmitglied Rüdiger Kümmerlin hatten im Vorfeld in neun Informationsveranstaltungen und in vielen persönlichen Gesprächen Aufklärungsarbeit vor der Fusion geleistet. Ausführlich begründeten sie in der Forster Waldseehalle den aus ihrer Sicht „notwendigen Schritt in eine gesicherte Zukunft.“ Es gehe um die Verbesserung der Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit.

Auch Olav Gutting, CDU-Bundestagsabgeordneter und Aufsichtsratsvorsitzender, plädierte leidenschaftlich für die Schaffung einer „Zukunftsbank“, wie er das Vorhaben bezeichnete.

„Wir bleiben eine ländliche Bank, setzen weiterhin auf Regionalität. Und wir befinden uns im Wachstum in allen Bereichen und gewinnen Jahr für Jahr Marktanteile“, fasste Hoffmann zusammen. Doch aufgrund der allgemeinen Finanz- und Bankenentwicklungen könne nur „nach vorn geschaut“ werden. Überall drehen sich Fusionskarusselle, so Hoffmann. Mit einer Bilanzsumme von 1,1 Milliarden Euro liege die „kleine Volksbank“ weit unter den sie umgebenden Größenordnungen.

Oberhausen bleibt Vorstandssitz – neben Wiesloch. Die Aufsichtsräte und die Vertreterversammlungen werden zusammengelegt und bilden jeweils ein gemeinsames Gremium. „Völlig einvernehmlich“ ziehe das gesamte Personal – 162 von zusammen 765 Mitarbeitern – mit und habe seine Aufgabenbereiche abgesteckt. Nur positive Aspekte sah Betriebsratsvorsitzender Rainer Wagner. Alle Arbeitsplätze bleiben erhalten, jeder Mitarbeiter habe eine langfristige Arbeitsplatzgarantie.

Die Volksbank Kraichgau erstreckt sich von Östringen bis Sinsheim, von Walldorf bis nach Bad Rappenau. Irgendwelche Einschränkungen oder gar Nachteile für die Kunden werden nicht eintreten, wurde mehrfach versichert.

(Werner Schmidhuber)