Afrikanischer Schlappenspanner und Berliner Stecher

Künstler Mathias Misch aus Oberhausen stellt seine Vogelskulpturen aus

15.06.2018

Ganz so wild wie bei Alfred Hitchcocks „Die Vögel“ geht es bei Mathias Mischs Vogelpräsentation nicht zu. Dessen Tierchen zeigen sich brav und besonnen, sind überhaupt nicht aggressiv und nicht auf Attacke aus. Immerhin: Eine geballte Schar von 23 Vögeln mit gefährlich spitzen Schnäbeln wartet noch bis zum 11. Juni im Schalterraum der Volksbank Bruhrain-Kraich-Hardt auf Besucher und Bewunderer.

Mit seiner Vogelausstellung bietet der Oberhausener Künstler und Waghäuseler Realschullehrers Mathias Misch etwas ganz Ausgefallenes. Zu den 23 geradezu faszinierenden Skulpturen, zwischen 15 Zentimeter und 1,50 Meter groß, kommen noch 20 Fotografien als weitere Blickfänge.

Jeder Vogel hat seinen Namen: Da gibt es den Beißer, den Zirkelsäger und den Rohrbieger. In Forst stehen auch zwei Wiener, Nummer eins und Nummer zwei, ein Berliner Stecher, zwei afrikanische Schlappenspanner. Alles sind Unikate, in filigraner Handarbeit hergestellt. Eine „fette Henne“, ziemlich leidenschaftslos in die Runde blickend, komplettiert die große bunte Vogelfamilie.   

Dabei handelt es sich um Vogelskulpturen aus Werkzeugen, Alltagsgegenständen und rohem Holz. So besteht der Kopf eines Exponats beispielsweise aus dem Holzdeckel eines Sauerkrauttopfes. Verwendet werden etwa eine Essgabel, eine lange Schraube, eine Rohrzange und eine Schere. Die Figuren bilden die spannende Kombination zu den Fotografien, die ausdruckstark die Anmut dieser Lebewesen erahnen lassen.

Warum Vögel? „Vögel haben mich in ihrer besonderen Lebensweise und Form schon immer und besonders seit meinem Biologiestudium fasziniert“, verrät der Künstler.

Aerodynamisch, leicht und schwebend, so erscheinen seine Kreationen. Mal mit der Kettensäge, mal mit dem Schweißgerät hat er versucht, die Grazie und Eleganz dieser Geschöpfe und die Vielfältigkeit dieser besonderen Lebewesen nachzuempfinden. Mit Hölzern wie Kirschbaum, Linde, Eiche und Robinie, gepaart mit alten Werkzeugen, setzte er seine Vision von den gefiederten Tieren um.

Oxidation, Rost und verschiedene Holzbearbeitungstechniken sorgen für Effekte, die teils die Feinheit und teils die Stromlinienform der Geschöpfe hervorheben. Darüber hinaus ging Misch daran, die Skulpturen zu fotografieren und bildlich festzuhalten. Fotografiert wurde in einer Technik, in der ein Bild doppelt belichtet wird. Diese Doppelbelichtung noch in der Kamera erlaubt kaum eine Nachbearbeitung am PC, so dass die einmaligen Bilder in ihrer Transparenz eine besondere Faszination und Zufälligkeit erzeugen und die Fantasie beflügeln.

„Ohne Vögel wäre der Himmel nur Luft“, meinte einer der Besucher bei der Vernissage, zu der gut 80 Gäste gekommen waren, darunter Bundestagsabgeordneter Olav Gutting, Bankvorstand Rüdiger Kümmerlin oder   Tom Naumann, Bereichsleiter Kunst an der Musik- und Kunstschule Bruchsal, die mit viel Lob und Anerkennung aufwarteten.

Alle zeigten sich begeistert von den erfolgreichen Bemühungen des Künstlers, aus Fundstücken wie Holz und Metall auch neue Charaktere in der Vogelwelt entstehen zu lassen. Im Vordergrund steht dabei: Aus Vergänglichem Neues erschaffen, Materialien, die so nicht zusammengehören, in Harmonie bringen.

 

(Werner Schmidhuber)